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test Warum der "Notrückruf" bescheuert ist?

Warum der "Notrückruf" bescheuert ist?

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Immer wieder stösst man in Diskussionen rund um Hundeerziehung auf den so genannten "Superrückruf", "Notrückruf", "Notabbruchsignal", "Superpfiff" oder wie er sonst gemeint ist.
Gemeint ist dabei ein ganz besonderes Signal, welches extrem aufwändig und konsequenz konditioniert wird, um einen Hund im Notfall zurückrufen zu können. Mal abgesehen davon, dass es leider die Regel ist, dass der "Notrückruf" , entgegen aller Vorsätze, nicht nur im Notfall sondern sehr häufig verwendet wird, möchten wir Ihnen erklären, warum es aus unserer Sicht vollkommen idiotisch ist diesen zu verwenden. Man mag uns diese harte Wertung nachsehen. Wir sind jedoch vollkommen entsetzt, dass immer wieder dazu geraten wird -  obwohl es eigentlich jeder Trainer besser wissen müsste.

Wie wird dieser "Rückruf (der eigentlich keiner ist)" aufgebaut?

Im Prinzip soll man stumpf konditionieren. Man nehme eine Pfeiffe (oder was auch immer für ein Signal). Man nehme eine "Monsterportion" Lieblingsfutter oder Lieblingsspielzeug oder was auch immer der Hund besonders toll findet. Nun beginnt die Konditionierung. Man erteilt das Signal und stellt dem Hund seine "Monstersupermegabelohnung" hin. Dies treibt man extrem konsequenz unter langsam steigender Ablenkung und konditioniert teilweise mehrere Monate lang. Das Ergebnis soll sein, dass der Hund "lernt": Immer wenn dieses Signal ertönt gibt was "Megasupertolles". In Erwartungshaltung auf die Belohnung soll der Hund also herankommen.

Eines vorweg: Es funktioniert tatsächlich, wenn man es korrekt konditioniert UND die konditionierte Belohnung interessanter ist, als die Situation in der der Hund sich gerade befindet.
Dennoch ist dieses Vorgehen, weder ein Rückruf noch Abbruchsignal. Ferner ist dieses vorgehen absolut kontraindiziert. Wir erklären Ihnen auch warum.

 

Bevor wir darauf eingehen möchten wir Ihnen das Vorgehen beim Clickern erklären. Kurz etwas Theorie im Schnellverfahren. Ein Primärverstärker ist eine Belohnung für den Hund. Etwas was der Hund in dem Moment möchte. Kann alles sein. Futter. Spielzeug. Oder sonst irgendeine "Superdupabelohnung". Ein Sekundärverstärker ist ein Signal, welches einen Primärverstärker ankündigt. Sekundärverstärker sind immer angelernt, also konditioniert. Zum Beispiel ein Clicker. Beim Clickern wird der "Klick" zum Sekundärverstärker, weil er den Primärverstärker ankündigt. Der Hund weis, dass nach dem Klick eine Belohnung kommt. Es wird wie folgt konditioniert: Es wird geklickt (also ein Signal gegeben). Danach erhält der Hund eine Belohnung. Das wird konsequent konditioniert. Eigentlich ist das dafür da auf Entfernung zu belohnen, sich dem Shaping zu widmen, oder andere Anwendungbereiche. Das spielt hier jedoch keine Rolle. Ein Fakt noch: Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass ein Sekundärverstärker ein Verhalten ebenfalls verstärkt, also wie eine Belohnung wirkt. (wenn auch in etwas abgeschwächter Form im Vergleich zum Primärverstärker)

Ist Ihnen etwas aufgefallen?

Das Konditionieren des s.g. Superrückrufs und das Konditionieren eines Sekundärverstärkers ist identisch. Das  bedeutet, dass der Superrückruf kein Rückruf ist, sondern ein Sekundärverstärker. Das bringt zwei Probleme. Zum einen wird dem Hund NICHT beigebracht zurückzukommen. Ihm wird lediglich beigebracht, dass es nun etwas gaaaaanz Tolles gibt. Er kommt also nur deswegen, weil er in Erwartungshaltung gerät, seine Suuuuuuuuuuuuuperbelohnung zu erhalten. Na und? Das erste Problem ist, dass dies nur so lange funktioniert, solange die Suuuuuuuuperbelohnung toller ist als die Situation in der der Hund steckt. Wenn also zum Beispiel für Ihren Hund das Kaninchenjagen das Tollste auf der Welt ist und sie beispielsweise den Hund von der Jagd mit dem "Superrückruf" abrufen möchten, so können Sie getrost einpacken und sich den Superrückruf gleich in die Haare schmieren, da die konditionierte Belohnung wie zum Beispiel ne Dose Megasuperfleisch einfach schlechter ist. Das Problem Nummer zwei (und das weit größere Problem) ist jedoch, dass der Superrückruf (Gott, ich hasse dieses Wort) ja, wie wir gelernt haben, ein Sekundärverstärker ist, welcher das vorangegangene Verhalten VERSTÄRKT, also belohnt. Genau so gut könnten Sie Ihren Hund mti dem Clicker abrufen. Den Irrsinn  daran erkennt man direkt. Wenn Sie Ihren Hund also mit dem auf diese Art und Weise konditionierten  "Rückruf" (der keiner ist) abrufen, mag das zunächst sogar klappen, allerdings führt das dazu, dass das Verhalten (also dieser besagte Notfall) nur verstärkt, wird was widerum dazu führt, dass es häufiger auftritt.

Sie laufen sogar Gefahr, unerwünschte Verhaltensketten aufzubauen. Mit ein bisschen Pech lernt der Hund ganz genau wann der "Superrückruf" kommt und wird genau das Fehlverhalten zeigen nur um abgerufen zu werden.

Was also tun wenn man einen Hund zuverlässig zurückrufen möchte?

Einen echten Rückruf aufbauen, unter hohe Motivation stellen und durchsetzen. ;)

 

 

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